Rollifahrerin in Menschenmenge

Menschen mit Behinderung

Der Mythos vom Nischenthema

 

Aus Unwissenheit lässt man sich schnell zu klischeehaftem Denken verleiten und sieht Menschen mit Behinderung in einer passiven Opferrolle. Man traut ihnen wenig Eigenständigkeit, Fähigkeiten und Lebensfreude zu. Die Wirklichkeit ist anders!

Was wäre, wenn Sie plötzlich eine Behinderung hätten...?
Abgesehen von diversen widrigen Umständen im Alltag wäre alles beim Alten. Denn der Kern bleibt der Gleiche. Körperliche Defizite besagen nichts über die innere Haltung eines Menschen.
Ein Handicap ist kein Grund Trübsal zu blasen – oder würden Sie deshalb nur zu Hause sitzen wollen?

 

Menschen mit Behinderung haben die gleichen Interessen, Wünsche und Sehnsüchte wie alle anderen. Folglich möchten sie z.B. ebenso gerne ausgehen, reisen u. v. m... Leider erschweren bauliche und geistige Barrieren in der Umwelt dies ganz einfach in die Tat umzusetzen, denn:
„Behindert ist man nicht, behindert wird man.“

 

Die o. g. Schubladen-Einordnung ist auch im Tourismus weit verbreitet. Dementsprechend erkennt und behandelt die Mehrheit der Leistungsträger Reisende mit Behinderung bisher nicht als Konsumenten mit ganz „normalen“ Ansprüchen, die am Reiseziel relaxen, Natur genießen, sich kulturell bilden wollen u.ä. und bereit sind dafür Geld auszugeben. Stattdessen definieren Sie den Gast ausschließlich über seine möglichen Beeinträchtigungen (und verleihen ihm so einen nachteiligen Sonderstatus).

Anspruch:
Menschen mit Handicap erwarten keine sozial motivierten Angebote, sondern wollen als Kunden mit individuellen Anforderungen ernst genommen werden.

 

Realität:

Als Mensch mit Behinderung ist man Reisender in einer Parallelwelt!

 

  • Man weiß welche Art von Reise man unternehmen möchte und benötigt dazu barrierefreie Unterkünfte, Verkehrsmittel, Infrastruktur.
  • Darauf sind etablierte Veranstalter nicht eingestellt, sie verweisen zumeist auf Spezialunternehmen für barrierefreie Reisen. Deren Anzahl und Angebot ist sehr überschaubar und oft deutlich teurer als die gängigen Mainstream-Angebote.
  • Man wird in die vermeintliche Nische gedrängt, weil Menschen mit Behinderung angeblich „schwierige Gäste“ sind und nur Spezialisten am besten wissen, was gut für sie ist.
  • Wer seine Reiseauswahl und -buchung über die gängigen Kanäle realisieren möchte, findet dort kaum notwendige Informationen zur Barrierefreiheit.
  • Derzeit verfügbare Informationen zur Barrierefreiheit sind zumeist unzuverlässig.
  • Die Reiseplanung und -abwicklung (Customer Journey) ist geprägt von einer
    „auf Nachfrage Struktur".
  • Stress und Frustration sind vorprogrammiert.
  • Spontanität und Buchung von Last-Minute Angeboten sind undenkbar.

 

Das alles ist enorm unkomfortabel, zeitaufwändig und entspricht nicht den heutigen Konsumgewohnheiten!

Rund jeder Dritte kennt eine Person mit Behinderung im persönlichen Umfeld.

Eine genauere Vorstellung über ihre Lebensumstände und Persönlichkeit

haben jedoch die Wenigsten.

„Behindert ist man nicht, behindert wird man.“

„Die größte Barriere ist die Barriere der Information“.


Christian Schmidt, Geschäftsführer der Tourismus Agentur Schleswig-Holstein zum Thema „Entwicklung barrierefreier Reiseangebote“.

 

 

"There is a severe lack of quality information about disabled access in the UK [...] despite all of the legislation supporting accessibility, disabled people are effectively excluded from many mainstream venues and activities, for fear of being faced with inadequate facilities."

 

Prof. Stephen Hawking - Euan's Guide 2013

3 Männchen